Modellbau in Perfektion

Modellbau in Perfektion

– ein Besuch im Miniatur Wunderland

Mit der Redaktion der Schülerzeitung haben wir uns im Oktober auf den Weg zum Miniatur Wunderland nach Hamburg gemacht, ein Zuschauermagnet für alle Modellbauer. Dort haben wir uns mit Herrn Nicolas Salzwedel-Boehm aus der Modellbauabteilung zusammengesetzt und ihm einige unserer Fragen zum Thema „Modellbau“ gestellt.

Wie kommt man auf die Idee, so eine faszinierende Miniaturwelt zu bauen?
Als Kinder hatten die Erbauer eine Modelleisenbahn, welche dann wahrscheinlich in Vergessenheit geriet. Sie eröffneten eine Disco, jedoch hörten sie damit wieder auf. Als sie auf der Suche nach etwas Neuem, auf ein kleines Miniaturgeschäft stießen, kam vermutlich die Kindheit wieder hoch und sie wollten die größte Modellbahn bauen.

Wie sind Sie in das Team des Miniatur Wunderlandes gekommen?
Durch eine Stellenanzeige in der Zeitung. Vorher habe ich Architektur studiert und auch als Kulissenbauer gearbeitet, doch der Beruf als Architekt war mir aber zu „langweilig“.
Meine Frau hat mich dann auf die Stellenanzeige aufmerksam gemacht, so habe ich zu meinem „Traumjob“ gefunden, da er sehr abwechslungsreich ist, obwohl ich mir vorstellen könnte, später auch nochmal etwas anderes zu machen.

Was muss man mitbringen, um ein „Modellbauer“ zu werden?
Man benötigt nicht unbedingt eine Ausbildung, da hier viele Berufe eine Rolle spielen. Wichtig ist, dass man Begeisterung mitbringt und die Arbeit umsetzen will!

Was ist Ihre Lieblingstätigkeit beim Modellbau?
Dass man nicht nur einzelne Dinge bearbeitet, sondern das ganze Projekt begleiten kann. Man sieht nämlich später, wie sich das eigene Modell in die erschaffene Landschaft einfügt. Das ist schöner, als wenn man ein Gebäude bearbeitet und dann nie sieht, was damit geschieht.

Welche verschiedenen Aufgaben gibt es bis zur Fertigstellung eines Modells (z.B. ein Haus)?
Man muss es zeichnen, fräsen, zusammenbauen, bemalen und es beispielsweise mit Figuren dekorieren, bevor es endgültig fertig ist.

Wie lange benötigt man für ein Modell?
Für ein kleines Haus benötige ich ungefähr 4 Tage, für aufwändigere Sachen auch mal zwei bis vier Monate.

Was war bisher Ihr schwierigstes Modell?
Der Dogenpalast hat mich sehr gefordert und war sehr umfangreich.
Und auch die Tagesschau nachzubauen war schwer, wegen der Beleuchtung und des Hintergrundbildschirms. Da war ich auch viel beteiligt, im Allgemeinen ein sehr facettenreiches Projekt.

Was war das größte Projekt?
Der Flughafen, welcher noch einmal für Aufschwung gesorgt und viele Besucher angelockt hat.

In welches Projekt wurde am meisten Geld und Arbeit investiert?
In den Flughafen, welcher sogar noch nach der Fertigstellung die höchsten Wartungskosten hat. Allerdings hat er sich rentiert.

Werden die Bauteile bestellt bzw. was wird in Handarbeit gemacht?
Früher hat man fertige Bausätze gekauft, aber zum Beispiel bei Italien ist dies nicht möglich. Dekorationen werden meist selber gebaut oder umgebaut.

Was machen Sie, wenn Sie an einem Modell nicht mehr weiterkommen?
Auf jeden Fall viel reden! Und natürlich Hilfe bei anderen holen, fragen, ob sie vielleicht Tipps haben. Bei diesem Beruf ist es wichtig, früh darüber zu reden.
Ansonsten lege ich auch mal eine Denkpause ein.

Was ist Ihr Lieblingsthemenbereich in der Ausstellung?
Ich habe keinen gesamten Lieblingsthemenbereich, aber eine geheime Lieblingsstelle in „Knuffingen“. Doch auch die „ligurische Küste“ in Italien finde ich toll.

Was ist für Sie das größte Lob eines Besuchers?
Ehrliche und totale Begeisterung motiviert einen sehr.

Werden die Ausstellungsstücke gewartet oder gereinigt? Wenn ja, wie oft?
Jeden Tag werden die Ausstellungsräume gesaugt (damit sich kein Staub auf den Ausstellungsstücken festsetzen kann) und die Elektriker machen einen Kontrollgang.

Was ist Ihrer Meinung nach das Schlimmste, was ein Besucher tun könnte, wenn er durch die Anlage geht?
Das Schlimmste wäre eine durchgeschüttelte Cola, die hochgeht; quasi unmöglich, das klebrige Zeug weg zu machen. Der Staub würde festkleben.

Kommt es vor, dass Modelle von Besuchern zerstört werden oder Schäden entstehen?
Meist sind es nur kleine Schäden, zum Beispiel dass Menschen mitgenommen oder umgeknickt werden.
Ein schlimmer Schaden war beispielsweise, dass ein halber Gebäudeteil einer Ruine (in Rom) mitgenommen wurde.

Und zu guter Letzt, was würden Sie gerne mal bauen?
Momentan ist London/Großbritannien in Planung; da wäre es das Parlamentsgebäude.
Ein eigener Traum wäre die „Sagrada Familia“ in Barcelona.

Das Interview führten Madlin Baumgarte, Leif-Lennart Maik und Tobias Hecht